Entwicklungshelfer mit dem Holz-Spar-Ofen

Karl Wittmann

Karl Wittmann (rechts) zeigt Berufsschullehrern auf den Philippinen das zentrale Teil des Holz-Spar-Ofens aus Stahlblech, das wie ein Heizkessel wirkt. − Foto: privat

Manila, Philippinen – Seit über 18 Jahren ist Karl Wittmann ehrenamtlicher Entwicklungshelfer beim Senior-Experten-Service (SES) in Bonn. Der 77-Jährige aus Hirten war schon wochenlang in Afrika, Mittelamerika und Asien tätig.

Sein jüngster Einsatz führte den pensionierten Maschinenbau-Techniker aus Hirten, der bei der SKW Hart und bei Linde beruflich tätig war, für vier Wochen auf die Philippinen, genauer auf Negros und den Visayas-Inseln, welche in den vergangenen Jahren von schweren Unwettern heimgesucht wurden. In der Heimatzeitung berichtet er von seinen Erlebnissen.

Studenten werden für den Ofenbau qualifiziert, „Hauptaufgabe war die Ausbildung eines Teams zur Fertigung von Holz-Spar-Öfen. Diese dienen vorrangig der Landbevölkerung als Ergänzung zu den Solarkochern“, erklärt Wittmann. Einsatzort war Bacolod City mit rund 800000 Einwohnern. Ansprechpartnerin vor Ort war Olivia de Asis, die Wittmann bereits von einem Einsatz 2016 kannte. Sie hatte bei SES explizit um die Hilfe des Hirteners angefragt. Die im Fokus stehenden Holz-Spar-Öfen werden an der Berufsschule Altötting bei EG-Solar entwickelt, wo Wittmann seit über 20 Jahren aktiv ist. Sie dienen in der Regenzeit als Ergänzung zu den ebenfalls von EG Solar entwickelten und gebauten Solarkochern.

Die erste Solarkocherwerkstatt im Norden der Insel Negros wurde 2012 von der Schwester der heutigen Managerin, Poi de Asis, aufgebaut, die 2006 bei Wittmann bei EG-Solar einen Solarkocherbaukurs abgelegt hat. Im Norden Negros entstand eine Solarkocherwerkstatt, die 2013 von einem Taifun zerstört wurde. Die Ersatzwerkstatt fiel 2015 einem Erdrutsch zum Opfer. Olivia de Asis begann im Süden von Bacolod City auf eigenem Familiengrund mit dem Aufbau einer neuen Werkstatt. Aber sie brauchte technische und technologische Hilfe, denn neben Solarkochern geht es nun auch um die Holz-Spar-Öfen. Durch den SES Bonn, welcher die offizielle organisatorische Unterstützung als Entwicklungshelfer zusagte, konnte der Einsatz starten.

„Durch die geringen Material-Kosten von ca. 5 Euro und die einfache Bauweise eignet sich der Ofen ideal für die Landbevölkerung“, ist Wittmann überzeugt. Der Kocher besteht nur aus einem ein Millimeter dicken Blechmantel. Das Material sei praktisch überall erhältlich. Die Mitarbeiter erhalten vom Maschinenbau-Techniker eine fachmännische Metall-Grundausbildung. Die Holz-Spar-Öfen (Wood Saving Stoves) seien leistungsstark und energieeffizient. Im Vergleich zum Drei-Steine-Feuer verbrauchten sie weniger als 70 Prozent des anderweitig benötigten Brennholzes und wiesen eine sehr geringe Rauchentwicklung auf. Sie lassen sich stufenlos bis zu Topfdurchmessern von 36 Zentimeter anpassen; ihre Leistung liegt bei 3 Kilowatt. Ein besonderer Vorteil darüber hinaus: Auch minderwertiges trockenes Brennmaterial ist einsetzbar, etwa Holzknüttel, Kokosnuss-Teile, Palmzweige usw.

Karl Wittmanns Hauptaufgaben bei seinem SES-Einsatz waren der Material-Einkauf für zehn Holz-Spar-Öfen sowie die kurzfristige Montage von drei Solarkochern, deren Teile bereits vorgefertigt waren und für umliegende Reisbauern bestimmt sind. Außerdem bildete er zehn Mitarbeiter für die Fertigung der „Wood Saving Stoves“ am „Child-Learning-Center“ aus, an dem Olivia de Asis tätig ist. Und am College wurden Studenten mit der Fertigung der Einzelteile der Holz-Spar-Öfen sowie deren Montage vertraut gemacht und qualifiziert. Darüber hinaus entwickelten die Studenten noch Marketing-Strategien, um die Öfen zu verkaufen. Der Preis liegt bei umgerechnet 20 bis 25 Euro.

In Vorträgen stellte der Gast aus Deutschland die über 80 weltweit bestehenden Solarkocherprojekte vor. In der Mittagspause bewies Olivia de Silva die Funktionalität der Solarkocher, indem sie philippinische Gerichte zubereitete. Diskutiert wurde mit den jungen Leuten über die Nutzung der kostenlosen Sonnenenergie und den Erhalt der Umwelt, speziell der Vermeidung weiterer Abholzung bedrohter Wälder und der damit verbundenen Bodenerosion und Verarmung der Böden sowie der Verringerung der CO2-Emissio- nen und damit der Erderwärmung. Auch die Gesundheitsförderung wurde thematisiert, denn mit den genannten Systemen lässt sich einfach Wasser abkochen.

Nur Ergänzung zu den SolarkochernBei weiteren Projekten auf den Philippinen wurde der Nachbau des weiterentwickelten Holz-Spar-Ofens angeboten. Bei diesem Modell stehe neben der Energieeffizienz die Sicherheit und die Gesundheit der Nutzer im Mittelpunkt der Entwicklung, erklärt Wittmann. Die Verbrennung erfolgt durch die Sekundär-Luftzufuhr vollständig und fast ohne Rauchentwicklung. Wobei der Hirtener abschließend betont, was er auch bei seinem Besuch auf den Philippinen immer wieder deutlich gemacht hat: „Für EG-Solar gilt nach wie vor: Der Holz-Spar-Ofen ist nur eine Ergänzung zum Solarkocher mit seinem Warmhaltekorb.“

Quelle

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