Jüdische Allgemeine – »Diplomatischer Schandfleck«

In Israel gibt es massive Kritik an der ersten Visite von Präsident Rodrigo Duterte, der sich als »philippinischer Hitler« bezeichnet

Duterte

Manila, Philippinen – Der in jüngster Zeit wohl umstrittenste Besucher ist in Israel angekommen: Rodrigo Duterte, Präsident der Philippinen, der sich selbst als »Hitler« bezeichnet und sich damit rühmt, Drogendealer und -abhängige umzubringen.

Verschiedene Organisationen und Oppositionspolitiker hatten die israelische Regierung ob der Menschenrechtsverletzungen von Duterte scharf dafür kritisiert, ihm den roten Teppich auszurollen.

Nach seiner Ankunft auf dem Ben-Gurion-Flughafen am Abend traf sich Duterte mit einer Gruppe von philippinischen Fremdarbeitern. Derzeit leben um die 30.000 philippinischen Frauen und Männer in Israel, die meisten sind in der Altenpflege beschäftigt. Bei dem Besuch soll es angeblich hauptsächlich um den Schutz dieser Arbeiter gehen.

MENSCHENRECHTE Israel sei das einzige Land in der Region, das die Menschenrechte achte, ließ Duterte wissen. Doch schon beim ersten Termin gab er sich gewohnt kontrovers. Ohne dass jemand danach gefragt hatte, entschuldigte er sich bei Barack Obama, den er vor einigen Jahren einen »Hurensohn« genannt hatte. Seine abstoßenden Witze zu Vergewaltigungen von Frauen indes verteidigte er.

Am Montag wird Duterte mit Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) zu Mittag essen und Präsident Reuven Rivlin treffen. Verschiedene Menschenrechtsgruppierungen hatten dazu aufgefordert, Duterte nicht zu empfangen. Nach Angaben des Pressebüros der Regierung wird er die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen. Es ist zudem geplant, dass er in Rischon LeZion einen Kranz am Holocaust-Mahnmal, das an die Bemühungen der Philippinen erinnert, Juden im Zweiten Weltkrieg zu schützen, niederlegt.

Duterte soll angeblich ein Abkommen zu umfangreichen Ölgeschäften unterzeichnen und sich israelische Waffensysteme zeigen lassen, an denen er Interesse bekundet hat. 2016 tönte er: »Wenn es um Waffen geht, kaufe ich von niemand anderem als von Israel.« Deals mit den USA und Kanada sind aufgrund Dutertes umstrittener Politik im »Drogen-Krieg« in seinem Land geplatzt, doch die Geschäfte mit Israel laufen rund. 2017 erwarben die Philippinen Radar- und andere militärische Anlagen im Wert von rund 21 Millionen US-Dollar.

DELEGATION Nach Angaben der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt Kan reist Duterte mit einer Delegation von 400 Personen, darunter auch hochrangige Armee- und Polizeiangehörige. Sie sollen unter anderem Armeebasen in Israel besuchen.

Israelische und in Israel ansässige Journalisten sind zu der Visite nicht zugelassen. Sämtliche Informationen verteilt das Pressebüro der Regierung. Dennoch halten sich die Berichterstatter mit ihrer Kritik nicht zurück. Die linksliberale Tageszeitung »Haaretz« brachte es zu Beginn des Besuches mit folgenden Worten auf den Punkt: »Ein Hitler-Bewunderer in Yad Vashem, das ist ein diplomatischer Schandfleck.«

Quelle

Print Friendly, PDF & Email