Senator Antonio Trillanes – Gericht pfeift Duterte zurück

Trillanes Supporter

Unterstützer von Antonio Trillanes harren vor dem Senat aus, wo er sich in seinem Büro verschanzt. Foto: imago

Manila, Philippinen – Auf den Tischen seines Büros im philippinischen Senat stapeln sich leere Packungen von Schnellimbissen. Das schwarze Sofa ist zum Bett umfunktioniert.

Seit dem 6. September haust der frühere Marineoffizier Antonio Trillanes in den Räumen des Senatsgebäudes in Manila. Das Sofa wird ihm auch in den kommenden Tagen als Schlafstatt dienen müssen: „Meine Freunde und meine Feinde raten mir, weiter im Senat zu bleiben und das Gebäude nicht zu verlassen“, erklärte Trillanes am Mittwoch.

Dabei hat er gerade vor dem obersten Gericht einen seltenen Sieg gegen Präsident Rodrigo Duterte errungen. Der wollte Trillanes verhaften und vor ein Militärgericht stellen lassen, weil dieser als Offizier an zwei Putschversuchen gegen die damalige Präsidentin Gloria Arroyo beteiligt war. Dafür hob Duterte eine von seinem Amtsvorgänger verhängte Amnestie auf. Der Oberste Gerichtshof entschied jedoch, die zivile Justiz müsse erst einmal die Rechtmäßigkeit des Vorhabens prüfen.

Es ist das erste Mal seit Dutertes Amtsantritt vor zwei Jahren, dass er von den Institutionen des Landes zurückgepfiffen wurde. Sicher fühlt sich Trillanes deswegen nicht: „Meine Kontakte bei den Streitkräften sagen mir, ich solle trotz Gerichtsentscheidung inhaftiert werden“, behauptete er. Auch fürchtet er, dass draußen nicht nur Polizisten, sondern auch Attentäter auf ihn warten. Derweil harren vor dem Senatsgebäude auch Hunderte Anhänger des Senators aus.

Antonio Trillanes gilt als einer der schärfsten Kritiker des Präsidenten. Der Senator präsentierte vor Monaten öffentlich einen Polizisten, der berichtete, als Mitglied von Todesschwadronen im Auftrag Dutertes Drogenhändler erschossen zu haben. Über 20 000 Menschen fielen dem brutalen Kreuzzug bislang zum Opfer.

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Dutertes Sohn im Fokus

Vor allem aber setzte sich Trillanes an die Spitze eines Anti-Korruptionsfeldzugs, prangerte die privaten Geschäfte von Dutertes Clan und die angebliche Verwicklung von dessen Sohn Paolo in den internationalen Drogenhandel an. „Duterte will mich umbringen lassen“, ist Trillanes deswegen überzeugt. „Er will nicht, dass ich Privatgeschäfte seines Clans aufdecke.“

Vor der jüngsten Entscheidung des obersten Gerichts schien für Duterte alles nach Plan zu laufen. Er ließ mit Hilfe von politischen Verbündeten die frühere Justizministerin Leila de Lima aus dem Senat werfen. De Lima, die derzeit in Untersuchungshaft sitzt, hatte Dutertes Tötungsaktionen in den Slums des Landes untersucht. Der Präsident ließ sie wegen des angeblichen Verdachts auf Drogenhandel verhaften. Dann sorgte er für die Absetzung der kritischen Chefin des Obersten Gerichtshofs, Maria Lourdes Sereno.

Die Hoffnung Dutertes, das Gremium würde sich ohne die gefeuerte Chefin hinter ihn stellen, wurden nun enttäuscht. Und auch sonst scheint er zunehmend in Bedrängnis zu geraten. In einem Fernsehinterview am Dienstag wetterte er gegen die Streitkräfte des Landes. „Ich weiß, dass sich einige im Militär verschworen haben, um mich umzubringen“, behauptete der 71-Jährige. Die Öffentlichkeit reagierte geschockt auf diese völlig neue Wendung. Dabei sind Putschversuche nichts Neues für die Philippinen – samt anschließender Begnadigung der Rädelsführer.

Quelle

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