Schweizer Pädophiler zu 34 Monaten Haft verurteilt

Gibt es eine tiefere Strafe, wenn einer «nur» für die Schändung von Kindern zahlt und zuschaut als wenn er selbst Hand anlegt? Diese Frage musste das Obergericht klären.

Der Angeklagte hatte online für die Schändung von Kinder bezahlt und dabei zugesehen.

Ist es dasselbe, ob einer zuschaut, zahlt und Befehle gibt oder ob einer selbst ein Kind schändet?

Manila, Philippinen – Er sass zuhause am Computer und schaute in Live-Sex-Shows zu, wie Kinder auf den Philippinen geschändet wurden. Er gab gar per Chat Anweisungen, damit die Kinder nach seinen Vorstellungen geschändet wurden. Für gerade einmal 10 bis 30 Dollar pro Live-Video-Übertragung liess sich ein Solothurner Anlageberater verbotene sexuelle Wünsche erfüllen. Gestern nun fällte das Obergericht das Urteil im Prozess, der bereits vergangene Woche begonnen hatte.

Eine Frage stand dabei im Zentrum: Ist es dasselbe, ob einer zuschaut, zahlt und Befehle gibt oder ob einer selbst ein Kind schändet? Alexander Kunz sagte auf diese Frage, was ein Verteidiger in dieser Situation sagen sollte. Es sei nicht das Gleiche, ob sexuelle Handlungen nur über den Bildschirm gesteuert oder ob sie tatsächlich ausgeführt würden, sagte der Anwalt des Anlageberaters. «Der Bildschirm verschafft Distanz. Es sind eigentlich Kinobilder.» Die Realität werde verdrängt, so Kunz. Das Gericht müsse auch berücksichtigen, mit welch «erschreckender Einfachheit» man an solche Bilder gelange. «Es reicht ein Knopfdruck und das Zücken der Kreditkarte.»

«Die volle Verantwortung»

Ganz anders sah dies der Oberstaatsanwalt. Hansjürg Brodbeck hatte in seinem Plädoyer ein «deutliches Signal» gefordert, dass ein Täter auch dann hart bestraft wird, «wenn die Kinder in der Dritten Welt leben und der Täter nur über das Internet an der Schändung beteiligt ist.»
Das Gericht stand vor einer Frage, mit der es noch nie konfrontiert war, wie Oberrichter Marcel Kamber bei der Urteilsbegründung ausführte. Dass der Bildschirm Distanz schaffe, leuchte auf den ersten Blick ein, hielt Kamber fest. Man könne auch argumentieren, dass es weniger kriminelle Energie benötige, am Computer Handlungen anzuordnen als tatsächlich ein Kind ins Auto zu locken.

Letztlich aber entschieden die Oberrichter – neben Kamber auch Daniel Kiefer (Vorsitz) und Hanspeter Marti – anders. «Sein Tatbeitrag war massgeblich. Ohne ihn hätte es die Taten so nicht gegeben», sagte Oberrichter Kamber. Der Angeklagte habe mit seinen Zahlungen und Befehlen überhaupt erst den Auslöser für die sexuellen Handlungen mit den Kindern gegeben.

«Es trifft ihn die volle strafrechtliche Verantwortung wie die Mittäter und Haupttäter, die vor Ort auf den Philippinen selbst Hand angelegt haben», so Kamber. Wer «vorsätzlich und in massgebender Weise» eine Tat mitbeschliesse, mitplane oder an der Ausführung beteiligt sei, sei ebenso zur Verantwortung zu ziehen wie diejenigen, die vor Ort seien. Das Fazit der Richter: «Ein Straftäter, der am Computer den Auftrag für den Missbrauch eines Kindes gibt und mit Anweisungen mitgestaltet, kann nicht damit rechnen, milder bestraft zu werden als der Täter, der selbst Hand an ein Kind legt.»

Täter zeigt Reue und Scham

Die gleiche Strafe also wie für einen Kinderschänder, der sich selbst an Kindern vergeht. Aber welche Strafe? Vor den Richtern sass ein Mann, der oft zitterte, der sich schämte, der schwer an dem zu tragen schien, was er getan hatte. Das Auffliegen der Taten hat sein Leben verändert. «Das soziale Umfeld verdampft mehr oder weniger, die Existenzgrundlage wird einem unter den Füssen weggezogen», hatte er gesagt.

«Ich bereue zutiefst, was geschehen ist.» Bis heute zahlt er jeden Monat 500 Euro an eine Institution, die dem sexuellen Missbrauch von Kindern vorbeugen will. Er hat sich freiwillig in eine Therapie begeben und er hat seinem Umfeld offenbart, was er getan hatte. Nicht zuletzt hatte er alle seine Taten gestanden. «Er wollte mit der Sache nichts mehr zu tun haben und hat deshalb fast mehr gestanden, als angebracht gewesen wäre», sagte sein Anwalt, der eine Strafe von 18 Monaten bedingt forderte.

«Er bagatellisiert seine Taten nicht mehr», hatte ihm auch der Oberstaatsanwalt zugestanden, der eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 6 unbedingt, gefordert hatte, plus eine Busse von 300 Tagessätzen à 250 Franken.

In den Augen des Verteidigers eine drakonische Strafe – nicht aber in den Augen der Richter. Sie verurteilten den Angeklagten u.a. wegen (mehrfach versuchter) sexueller Handlungen mit Kindern zu 34 Monaten Freiheitsstrafe. 6 Monate davon, das gesetzliche Minimum, wurden unbedingt ausgesprochen. Damit kann der Mann die Strafe in Halbgefangenschaft absitzen und möglicherweise weiterarbeiten.

Strafmildernd wirkte sich aus, dass der Angeklagte selbst Hilfe gesucht hatte, «in der klaren Absicht, alles zu tun, um eine Wiederholung zu vermeiden». Ebenso, dass er Reue zeigte, geständig war und dass ihm ein forensischer Gutachter eine sehr tiefe Rückfallgefahr attestierte.

Quelle

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Meister Solar