Pater Shay Cullen erzählte er über seine beeindruckende Arbeit auf den Philippinen

Pater Shay Cullen setzt sich für die Menschenrechte auf den Philippinen ein. Bei einem Besuch in Hofheim erzählte er über seine beeindruckende Arbeit.

Shay Cullen im Interview mit Schülerinnen

Pater Shay Cullen im Interview mit Schülerinnen der Elisabethenschule im Hofheimer Wasserschloss.

Manila, Philippinen – Eifrig googeln die drei Mädchen noch am Computer. Gleich wird Father Shay Cullen, auf den Philippinen wirkender Missionar und Menschenrechtler, ins Haus der Jugend kommen, und die drei Zehntklässlerinnen wollen ihn auf Englisch interviewen.

Dann betritt der berühmte Gast das Gelände des Wasserschlosses, dem noch neuen Domizil der Hofheimer Jugend, in dessen großen Hof sie just an diesem Dienstagnachmittag einen fairen Markt ausrichten. Ein passender Rahmen, macht sich der Pater doch auch für das Thema Nachhaltigkeit stark, speziell den fairen Handel mit Mangos.

Einsatz für Missbrauchsopfer

Nach einem Verwandtenbesuch war der 75-Jährige auf dem Flughafen Frankfurt gelandet. Inzwischen ist er wieder auf den Philippinen, seinem Wirkungsort seit Jahrzehnten. Hier hatte er 1974 die Stiftung Preda (People’s Recovery, Empowerment and Development Assistance) gegründet, die sich für Folter- und Missbrauchsopfer des Marcos-Regimes eingesetzt hatte und auch heute noch mit 50 Mitarbeitern gegen Ausbeutung und Kinderprostitution kämpft, in Deutschland wird er dabei seit 20 Jahren unter anderem vom Tatort-Verein unterstützt.

Auch den Zwischenstopp in Frankfurt nutzt der 75-Jährige, um für seine Arbeit zu werben. Im Familienzentrum der Caritas hat er einen aufrüttelnden Vortrag gehalten und mit Oberschülern diskutiert. „Zwischendurch waren wir noch bei der Hattersheimer Tafel“, erklärt sein Begleiter, Dr. Matthias Braunwarth vom Katholischen Bezirksbüro Main-Taunus. Abschließend nun der Besuch im Haus der Jugend. Interessiert lässt sich der Pater und Buchautor zunächst die Geschichte des alten Gemäuers erklären, schaut dann an den verschiedenen Ständen vorbei. Hier ist jede Menge los. Jungs hämmern aus alten Paletten Sofas und nähen dazu die passenden bunten Kissen. Aus Äpfeln der Region wird Apfelsaft gekeltert.

„Unfassbare Armut“

Frische Smoothies gibt es am Stand der Kenia-AG. Die ist an der Elisabethenschule aktiv, genau wie die drei Mädels, die den weit gereisten Besucher befragen wollen. Der Pater in gestreifter Baumwollweste und Jeans wartet im schwarzen Ledersofa, während die Mädchen erst einmal den Ton testen. „Hello Mr. Cullen. It’s nice to have you here“, beginnt Christina Kempf das Gespräch. „Schön, Sie hier zu haben. Was machen Sie eigentlich als Pater?“ Er setze sich für die Rechte von Frauen und Kindern ein, antwortet der Gast. Mit Veranstaltungen in aller Welt wolle er auch andere dazu ermutigen. Welche Rolle dabei sein katholischer Glaube spiele, fragen die Mädchen. Es sei wichtig, im Leben Leitlinien zu haben, erfahren sie. Jesus von Nazareth sei selbst ein großes Vorbild, wenn es um die Wahrung der Rechte von Armen und Kindern gehe. Warum er die Organisation gegründet habe? Nur so könne er sich der Probleme annehmen. Anfangs seien es die Drogenabhängigen gewesen, später habe er den Missbrauch von Mädchen, den Sextourismus, in den Blick genommen, sich schließlich um Jungs gekümmert, die schon mit elf Jahren widerrechtlich unter schlimmsten Bedingungen im Gefängnis sitzen, dazu komme die unfassbare Armut.

„Zehn Millionen Menschen leben auf den Philippinen in Armut“, so Cullen, „die Hälfte davon extrem.“ Wenige Reiche dagegen teilten sich 70 bis 80 Prozent des Wohlstandes. Ob er schon mal angefeindet worden sei? Manchmal sei es für ihn und die Mitarbeiter tatsächlich gefährlich, sagt der Pater. „Freuen Sie sich eigentlich über Ihre vielen Auszeichnungen“, wollen die Mädchen noch wissen. Es freue ihn, weil es ihm die Chance gebe, auf seine Organisation aufmerksam zu machen, sagt Cullen. Mit Kreide zeichnet er noch die Internetadresse der Organisation an die Tafel über dem Sofa: www.preda.org.

Quelle

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Auswandern auf die Philippinen – Tablas Sunshine Village