„Sir Karl“ hilft auf den Philippinen, wo er kann

Karl-Heinz Daiker, bekennender Baptist aus Hechingen, hilft auf den Philippinen den Ärmsten der Armen.

 Karl-Heinz Daiker

In Manila schon eine Institution: Karl-Heinz Daiker (links) zusammen mit seinen Gastgebern. © Foto: privat

Manila, Philippinen – Der jüngsten Aufenthalt des Karl-Heinz Daikers in dem asiatischen Land stand von Anfang an auf wackligen Beinen – sowohl im ursprünglichen als auch im übertragenen Sinn. „Denn mein Gesundheitszustand“, so berichtet der 62-Jährige, „gab zu ernsthaften Zweifeln Anlass. Nicht nur meine 84-jährige Mutter riet mir berechtigterweise von der geplanten Reise ab“.

Doch Überdruss am Alltag, Abenteuerlust und eine gehörige Portion Glauben ließen den pensionierten Rechtspfleger alle vernünftigen Argumente verdrängen, und so buchte der ruhelose Glaubensmissionar im Mai den Flug in die philippinische Hauptstadt Manila. Trotz der befürchteten Schwierigkeiten auf dem Flug kam Daiker dank hilfsbereiter Mitpassagiere – wenn auch erschöpft – in der philippinischen Metropole an.

Pastora Bernadette, eine philippinische Pastorin, die er bei einer früheren Reise kennengelernt hat, holte den bekennenden Baptisten aus Hechingen am Flughafen ab. „Und vom gebuchten Hotel aus“, so erzählt der Hechinger weiter, „legten wir die Strategie der kommenden Wochen fest. Zeit genug hatte ich mitgebracht und den Rückflug weit hinausgeschoben. Wer weiß schließlich, ob ich wieder komme.“ Zentrales Anliegen war stets der Kontakt mit den Einheimischen, den Armen, und davon gab es in Manila wahrlich genug.

An Möglichkeiten der Begegnung fehlte es dem Reisenden nicht. Er besuchte Verwandte der Pastora auf der Insel Cebu, wo er gemeinsam mit zehn Personen in einem Zimmer übernachtete; er half bei der Verteilung von Lebensmitteln auf den Straßen der Stadtteile Malate, Makati und Naic; er besuchte verschiedene Kirchen und Waisenhäuser und gestaltete Gottesdienste mit.

Und dann war da noch Betty. Daiker erzählt: „Wir stießen auf die 13-Jährige, während sie in unserer Nachbarschaft stundenlang kniend das spärliche Unkraut rupfte. Erkundigungen ergaben, dass sie in der nahegelegenen Wohnsiedlung in einem der vielen kleinen Häuschen mit ihrer ,Familie’ wohnte. 14 Personen teilten sich einen Wohn-und Schlafraum. Betty lebte mit ihrer Großmutter in dieser Wohngemeinschscheft. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, ihre Mutter kümmert sich seit Jahren nicht um sie. Die Schule musste sie aus finanziellen Gründen abbrechen; als Aschenputtel verdingt musste sie mit ihrem spärlichen Einkommen zum Lebensunterhalt beitragen. Da mussten wir eingreifen!“

Karl-Heinz Daiker und seinen Mitstreitern gelang es, Bettys Großmutter zu überzeugen, dass Schule und Bildung für das Mädchen Priorität haben. Nach Zusicherung der Übernahme der Kosten für neue Kleidung, für Schuluniform, Schulranzen, Hefte und die üblichen Utensilien sowie Schulgebühren, Fahrtkosten und Essen konnte Betty sich schließlich bei der Schule anmelden und starten.

Also Happy-End? „Nein, vorerst nicht“, berichtet Daiker weiter. „Nach meiner Abreise nach Deutschland gab es neue Schwierigkeiten. Ein ,Onkel’ und Mitbewohner von Betty verprügelten das Mädchen, so dass ihr Verbleib in der Familie nicht mehr verantwortbar war. So war es naheliegend, das Mädchen bis auf weiteres in der Obhut und der kleinen Wohnung von Pastora Bernadette unterzubringen.“ Ergebnis: ein Glücksfall für beide Seiten: Die Pastora hat nun eine „instant Tochter“ (wie sie selbst sagt), das Kind Geborgenheit, Schutz und Versorgung.

„Die weitere Entwicklung“, so schließt Daiker seinen Bericht, „bleibt abzuwarten; spannend allemal.“ Sein Kontakt nach Manila ist nach wie vor intensiv. Die Pastora schickt täglich E-Mails. „Sie berichtet, dass die Leute dort nun nicht mehr von ,Daddy Karl’, sondern von ,Sir Karl’ sprechen. Welche Ehre!“

Quelle

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