Bauern auf den Philippinen trotzen den Taifunen

Selbst wenn gerade einmal kein Taifun über den Inselstaat fegt, leiden die Bauern und Bäuerinnen auf den Philippinen unter dem Klimawandel und setzen dem Kampfgeist und Forschung entgegen.

Reisbauer

Reisbauer auf den Philippinen

Manila, Philippinen – Der Taifun „Mangkhut“ hat im September im Norden der Philippinen für Chaos und Zerstörung gesorgt. Begleitet von starken Regenfällen entfaltete der Sturm Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde, in Böen gar von 330 Kilometern pro Stunde. Er entwurzelte Bäume, deckte Dächer ab und sorgte für Stromausfälle. Die Philippinen werden jedes Jahr von etwa 20 Taifunen heimgesucht, die Überflutungen, Erdrutsche und andere Verwüstungen bringen.

Auf der anderen Seite: üppig grüne Landschaft, Palmen am Meeresstrand, Bananenstauden und Karaoke-Bars am Straßenrand. So präsentiert sich die Insel Mindanao auf den ersten Blick als idyllisches Urlaubsparadies. Die Philippinen gehören zu den Ländern mit der größten Biodiversität weltweit und die Insel Mindanao gilt, dank fruchtbarer Böden und günstiger Klimabedingungen, als Kornkammer des Inselarchipels. Dennoch befinden sich acht der zehn ärmsten und am stärksten von Hunger betroffenen Regionen der Insel in Mindanao.

„Unsere Landwirtschaft ist sehr exportorientiert.“

„Auf den fruchtbarsten Flächen werden Exportgüter wie Ananas oder Ölpalmen angepflanzt. Monokulturen, die die lokale Bevölkerung nicht ernähren, sondern Menschen weit weg von hier zugutekommen“, erklärt Kokoy Lucena, Mitarbeiter von IPDI South, einem kleinen Team von lokalen Mitarbeiterinnen und einem Mitarbeiter, die die von der Dreikönigsaktion unterstützten Projekte hier vor Ort koordinieren. Die Dreikönigsaktion ist das Hilfswerk der Katholischen Jungschar. Mit den Spenden, die Kinder in Österreich – verkleidet als Kaspar, Melchior und Balthasar – in den Tagen nach Weihnachten sammeln, werden Hilfsprojekte in Afrika, Lateinamerika und Asien unterstützt. Auch hier auf den Philippinen.

Die landwirtschaftliche Fläche ist zum Großteil in der Hand von multinationalen Konzernen, nur rund 25 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche auf Mindanao seien noch in den Händen der philippinischen Kleinbauern und -bäuerinnen. Und diese haben es wahrlich nicht leicht. Sie müssen sich zur Wehr setzen gegen Landgrabbing durch große Konzerne.

„Durch den verstärkten Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft wurden die Böden immer unfruchtbarer.“

Wir besuchen das kleine Dorf Sta. Josefa im Herzen der Insel Mindanao. Der 58-jährige Diego dela Cruz Jr., kurz June genannt, ist hier einer der Vorreiter im Bereich der ökologischen Landwirtschaft.

„In den 1980er-Jahren hatten die meisten Bauern hier ihr eigenes Land. Aber durch den verstärkten Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft wurden die Böden immer unfruchtbarer, die Bauern haben immer mehr Dünger zukaufen müssen, sich schon vor der Ernte hoch verschuldet“, erzählt er uns und fügt mit einem Seufzen hinzu: „Dann konnten ihnen die Händler den Preis diktieren und irgendwann war es dann soweit und viele mussten ihr Land verkaufen. Viele unserer Mitglieder arbeiten heute nur noch als Pächter auf dem Land, das ihnen früher gehört hat.“

Dazu kommen Naturkatastrophen. Taifun „Mangkhut“ hat die Gegend hier diesmal verschont. Doch noch heute sitzt den Menschen der Schrecken in den Knochen, als 2012 Taifun „Pablo“ auch über Sta. Josefa gefegt ist und zahlreiche Häuser zerstört, beziehungsweise schwer beschädigt hat.

Die 48-jährige Myrna Dronela Esoy arbeitet als Volksschullehrerin und bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Mann eine kleine Landwirtschaft. Sie erzählt, während der Regen aufs Blechdach direkt über uns prasselt. Zwischendecke gibt es noch keine, die Auslassungen für die Fenster sind notdürftig mit Planen abgedeckt, damit es nicht hereinregnet. Myrna Dronela Esoy erzählt, dass „Pablo“ ihr Haus damals komplett zerstört habe: „Wie ihr sehen könnt, ist es immer noch nicht fertig, aber für mehr hat das Geld bisher nicht gereicht. “

„Eigentlich sollte es jetzt trocken und sonnig sein.“

Doch selbst wenn keine Naturkatastrophen über das kleine Dorf hereinbrechen, leiden die Bauern und Bäuerinnen unter dem Klimawandel, der die Witterungsabläufe immer schwerer vorhersehbar macht. „Wenn es, so wie jetzt, während der Erntezeit regnet, dann leidet die Qualität unserer Produkte darunter. Eigentlich sollte es jetzt trocken und sonnig sein“, erklärt uns die Landwirtin.

Stattdessen regnet es seit Tagen in Strömen und das kleine Dorf Sta. Josefa versinkt im Matsch. Je unberechenbarer das Wetter wird, desto wichtiger sei es, widerstandsfähiges und an die sich verändernden klimatischen Bedingungen perfekt angepasstes Saatgut zu haben, erklärt Bauer June und zeigt uns stolz sein Forschungsfeld. 337 verschiedene Sorten Reis hat er hier gepflanzt.

Über Wachstum und Ertrag der verschiedenen Reissorten wird genau Buch geführt und ein universitäres Forschungsinstitut verarbeitet dann diese Daten. So könne man genau sagen, welches Saatgut für welche Gegend und für welche Bedingungen am geeignetsten sei, erklärt June. Und das bekommen die Mitglieder der Kooperative dann auch zur Verfügung gestellt. Ebenso wie das Knowhow zu ökologischem Dünger und Schädlingsbekämpfung, die ohne Gift auskommt.

„Damit würde der Austausch, die Zucht und die Vermehrung von Saatgut verboten werden.“

Doch auch hier lauert Gefahr: Monsanto soll massive Lobbyarbeit betreiben, um die philippinische Regierung davon zu überzeugen, nur noch zertifiziertes Saatgut zu erlauben. Den Bauern, die ihr Saatgut von Monsanto kaufen, ist es vertraglich verboten, Samen aus der Ernte aufzubewahren, um sie im nächsten Jahr zur Aussaat zu verwenden. Sonst werden sie wegen Verletzung der Patente verklagt.

Geonathan Barro ist Direktor von Agro-Eco. Das ist ein Netzwerk von Kleinbauern- und bäuerinnen-Initiativen, die diversifizierte ökologische Landwirtschaft betreiben. „Es ist bisher noch keine gesetzliche Verpflichtung, aber es gibt einen Antrag dazu von einem Senator. Der läuft unter dem Titel „Philippinisches Saatgut Gesetz“ und damit würde der Austausch, die Zucht und die Vermehrung von Saatgut verboten werden“, erklärt er. „Die Bauern dürften dann nur noch zertifiziertes Saatgut, das von den großen Konzernen angeboten wird, verwenden. Dann wäre alles sinnlos, was wir hier tun.“

Darum sei es so wichtig, nicht nur die Bauern und Bäuerinnen vor Ort zu stärken, sondern auch auf höherer Ebene anwaltschaftliche Lobbyarbeit zu betreiben, um die Anliegen der Kleinbauern zu vertreten. Und ein größeres Netzwerk wie Agro-Eco, das auch von der Dreikönigsaktion unterstützt wird, könne da eben mehr erreichen, als die kleinen Kooperativen einzeln.

Auch June will weitermachen, hegt und pflegt seine über 300 verschiedenen Reissorten und sein Gottvertrauen. Er ist Diakon in der kleinen römisch-katholischen Basisgemeinde hier in Sta. Josefa. Ein Pfarrer kommt hier nur etwa vier Mal im Jahr vorbei. Landwirtschaft, das hat für June auch etwas mit Spiritualität zu tun: „Es ist Gottes Auftrag an uns, dass wir uns um seine Schöpfung gut kümmern.“

Quelle

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