Erzwungener Abschied nach 27 Jahren – „Du verlässt das Land, das du so liebst“

Patricia Fox

Schwester Patricia „Pat“ Fox – Nach 27 Jahren Aufopferung für die Armen und Unterdrückten auf den Philippinen, rausgeworfen von Präsident Duterte.

Manila, Philippinen – Die australische Ordensfrau Patricia Fox hat am Samstag die Philippinen verlassen – und beugt sich damit dem Druck von Präsident Rodrigo Duterte. Der setzt seinen Konfrontationskurs weiter fort.

Auf den Philippinen geht Präsident Rodrigo Duterte weiter auf Konfrontationskurs zur katholischen Kirche. Gerade erst hatte er – passend zu Allerheiligen und Allerseelen – die von der Kirche verehrten Glaubenszeugen aus früheren Jahrhunderten als „Trunkenbolde“ bezeichnet und hinzugefügt: „Ich mache für euch den Schutzheiligen.“ Jetzt musste sich eine lebende Zeitgenossin dem Druck Dutertes beugen: Patricia Fox. Am Samstag verließ die aus Australien stammende Ordensfrau den Inselstaat. Für Bischof Arturo Mandin Bastes von Sorsogon ist Dutertes Kampagne gegen Fox ein Ausdruck der „paranoiden Geisteshaltung“ einer Regierung, die keine Kritik ihrer „üblen Taten“ ertrage.

Fast drei Jahrzehnte war Fox auf den Philippinen tätig. Am Mittwoch lehnte die Einwanderungsbehörde eine Visumverlängerung ab. Die Ordensoberin der Schwestern Unserer Lieben Frau von Sion auf den Philippinen hatte wiederholt die Politik der Mächtigen angeprangert. So war die 71-Jährige Mitglied einer Mission von Menschenrechtlern, die sich ein Bild von der Lage auf der Insel Mindanao machen wollte. Dort hatte Duterte 2017 das Kriegsrecht verhängt. Im April 2018 wurde Fox auf Anweisung des Präsidenten wegen der Teilnahme an einer „politischen Demonstration“ festgenommen und für eine Nacht inhaftiert.

„Sie ist zu den Familien der Opfer gegangen“

Die Stimmung beim Abschied von Fox in der Hauptstadt Manila ist sentimental und wütend zugleich. „Du verlässt das Land, das du so liebst“, singt ein Mann zum Klang seiner Gitarre. Die Ordensfrau kann die Tränen nur mit Mühe zurückhalten. Die gut 100 Menschen, die sich bei Nudeln mit Hühnchen und frischen Kokosnüssen im schattigen Garten der landesweit bekannten Baclaran-Kirche versammelt haben, stimmen trotzig in den Vers ein: „Deine Worte waren für den Herren des Landes nicht zu ertragen.“

Vertreter aller Gruppen, für die Fox 27 Jahre lang als Missionarin gestritten hat, sind gekommen: Indigene, Arbeiter und die Armen der Stadt. „Ich verstehe nicht, warum Duterte Schwester Fox loswerden will“, sagt Nanette Castillo. Sie vertritt eine Gruppe von Müttern, deren Kinder in Dutertes selbst erklärtem Drogenkrieg getötet wurden. „Sie ist zu den Familien der Opfer gegangen, um sie zu trösten. Was ist falsch daran?“

Protestkarawane durch Manila

Im Gotteshaus wird Fox von ihren Anhängern und Pastor Teodulo Holgado durch den Mittelgang zum Altar geleitet, auf den sie die vielen blutroten Hibiskusblüten niederlegt, die ihr von den Freunden überreicht worden sind. Holgado, Sprecher des Netzwerkes „Solidarität mit den Armen“, bittet die Gemeinde, die Mission von Schwester Fox gegen Armut und Unterdrückung und für Freiheit und Demokratie fortzuführen.

„Wir hatten uns geschworen, nicht zu weinen“, erzählt die Anwältin der Ordensfrau, Maria Sol Taule, von dem Frühstück mit ihrer Mandantin und Freundin. „Aber dann brachen die Tränen doch aus uns heraus.“ Anschließend geht es weiter zum Gottesdienst im St. Joseph College in Quezon City, wo viele Anhänger von Fox bereits warten, um sie mit einer „Protestkarawane“ zum internationalen Flughafen in Manila zu begleiten. Auf den Autos kleben Zettel mit Slogans wie „Wir lieben dich, Schwester Pat. Du wirst immer in unseren Herzen sein“, aber auch: „Wer schweigt, macht sich mitschuldig.“

„Wie betäubt“

Schwester Fox ist sichtlich um Fassung bemüht. Aber auf die Frage, wie sie sich fühlt, sagt sie nur: „Wie betäubt.“ Für die letzte Etappe ihrer Ausreise nach Australien ist sie auf sich gestellt. „Niemand fliegt mit ihr. Sie muss alleine durch die Passkontrolle, um dann von den Beamten ihren Pass zurückzuerhalten, der ja konfisziert wurde“, sagt Anwältin Taule.

Bei der vorerst letzten Konfrontation mit der philippinischen Regierung werden Fox die vielen „Mabuhay“-Rufe in den Ohren klingen, die an diesem Tag zu hören sind. Das auf den Philippinen gebräuchliche Wort kann „Guten Tag“, „Langes Leben“ oder auch „Auf Wiedersehen“ bedeuten. Ihre Anhänger hoffen vor allem auf Letzteres. „Wenn Duterte weg ist, kann sie wiederkommen“, sagt Taule. „Dafür beten wir.“

Quelle


Nach der Ausreise von Schwester Patricia Fox aus dem Land sagte Vizepräsidentin Leni Robredo, dass die australische Missionarin „mehr Filipino zu sein scheint als viele von uns“.

„Es ist so böse und traurig, dass sie weggeschickt wurde. Wie gesagt, sie war noch mehr Filipino als viele von uns.“, Sagte Robredo in einem Interview mit einem Einheimischen Radiosender am Sonntag.

„Es ist eine traurige Tatsache, sie ist nicht einmal eine Filipino, aber sie hat 27 Jahre ihres Lebens der Unterstützung unserer Menschen gewidmet“, fügte sie hinzu.

Die Vizepräsidentin äußerte sich auch bestürzt über den Grund, warum Fox das Land verlassen musste.

Robredo ist jedoch optimistisch, dass Fox bald auf die Philippinen zurückkehren wird, um ihre Mission, den philippinischen Menschen zu helfen, fortzusetzen.

Redaktion

 

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