Auslandspraktikum auf den Philippinen – Eine komplette Highschool-Klasse durchsaniert

„Thank you, thank you, thank you“ hörten wir nicht nur einmal am Tag. Während unserer Auslandsfamulatur auf den Philippinen versuchten wir die Frontzähne unserer Teenie-Patienten mit Caries-Profunda-Maßnahmen zu erhalten.

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Wir – Lia und Clara – lernten uns im dritten Semester an der Justus-Liebig-Universität in Gießen kennen. Uns war relativ schnell klar, dass wir uns nach dem Examen als examinierte Zahnärztinnen gemeinsam im Ausland sozial engagieren wollen. Foto: Privat

Manila, Philippinen – Mit unserer Recherche nach möglichen Auslandsfamulaturen begannen wir – Lia und Clara – im achten Semester und stießen dabei auf das Projekt „German Dental Care“ in Siquijor auf den Philippinen. German Dental Care ist eine Initiative deutscher Zahnärzte.

Ziel des privaten Entwicklungshilfeprojekts ist, Menschen und besonders Kindern in der Dritten Welt unabhängig, unmittelbar und ohne großen Verwaltungsapparat zu helfen.

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Bei der Behandlung. Foto: Privat

Zufälligerweise ist der Ansprechpartner, Wulf Feinhals, ein ehemaliger Gießener Zahnarzt. Nach einem persönlichen Kennenlernen bekamen wir schnell seine Zusage. Er freute sich darüber, dass wir uns als fertig examinierte Zahnärzte beworben hatten, da er aus rechtlichen Gründen nur noch Approbierte für die zahnärztlichen Arbeiten annehmen darf.

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Gruppenfoto. Foto: Privat

So startete unsere Reise in Frankfurt am 4. September 2018. Nach langen Flügen ­ über Hongkong, Manila, einer Übernachtung in Dumaguete und einer Fährfahrt kamen wir schließlich zwei Tage später auf Siquijor Island an. Wulf erwartete uns bereits am Pier.

Ohne Generator geht nichts

Er und seine philippinische Familie empfingen uns mit offenen Armen und hatten uns bereits eine Unterkunft und einen Roller für die kommenden vier Wochen organisiert. Wulf zeigte uns noch am selben Tag unseren Arbeitsplatz – eine „Klinik“ an einer Grundschule in Larena – ungefähr zehn Minuten mit dem Roller von unserer Unterkunft entfernt. Arbeitsbeginn war 8:30 Uhr und die erste Handlung morgens: Wasser und Generator anstellen.

Am nächsten Tag begannen unsere ersten Behandlungen – unsere Patienten waren Highschool-Schüler mit guten Englischkenntnissen. Unsere Aufgabe bestand darin, eine komplette Schulklasse durchzusanieren. Schnell wurde uns klar, dass großer Behandlungsbedarf besteht.

Nach erfolgter Befundaufnahme führten wir zum größten Teil Füllungen und Extraktionen durch. Viele 6-Jahr-Molaren waren bis auf Gingivaniveau frakturiert oder kariös zerstört. Außerdem fiel uns besonders der kariöse Befall der Frontzähne auf – eine Auswirkung der stark zuckerhaltigen Getränke in Kombination mit schlechter Mundhygiene.

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vorher! Foto: Privat

Da wir 15-jährigen Patienten nicht ihre Frontzähne extrahieren wollten, versuchten wir dennoch die Zähne mit Caries-Profunda-Maßnahmen zu erhalten.

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nachher! Foto: Privat

Wurzelkanalbehandlungen waren uns aufgrund von fehlendem Röntgengerät, sowie den dafür benötigten Materialien nicht möglich. Trotz der ansonsten guten Ausstattung mit Materialien, Behandlungsmittel und Sterilisator mussten wir mit Strom- und Wasserausfall rechnen.

Schulklasse

die Schulklasse Foto: Privat

Fasziniert waren wir zudem davon, dass die Kinder uns nach erfolgter Behandlung und mit Blick in den Spiegel freudestrahlend in die Arme sprangen. „Thank you, thank you, thank you“ hörten wir nicht nur einmal am Tag.

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Lia und Clara Foto: Privat

Im Laufe der Zeit fassten die Schüler immer mehr Vertrauen, amüsierten sich und wollten jede Menge Fotos und Selfies mit uns „weißen Europäerinnen“ machen. Da unsere Arbeitszeit jeden Tag um 12 Uhr endete, blieb uns genügend Freiraum zur Erkundung der Insel.

Selfies mit weißen Europäerinnen

Abschließend möchten wir jedem – auch nach dem Studium und vor dem Berufseinstieg – empfehlen, einem sozialen Projekt im Ausland nachzugehen. Wir flogen mit zahlreichen neuen Erfahrungen und Eindrücken – besonders im Hinblickauf das Gesundheitswesen eines Dritte-Welt-Landes – nach Hause. Wir werden in Zukunft die hygienischen Bedingungen und Standards in Deutschland sowie die uns möglichen Behandlungsmethoden noch mehr zu schätzen wissen.

Quelle

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