Zwischen zwei Welten – Wie ein philippinischer Student auf den Waldcampus nach Eberswalde kam

Gino Garcia

Auf Heimatbesuch: Gino Garcia studiert an der HNE und steht kurz vor seinem Abschluss. © Foto: Katrin Hartmann

Manila, Philippinen – Er ist erst der zweite philippinische Student, der an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde studiert. In Manila hat Gino Carlo Garcia Daten für seine Abschlussarbeit gesammelt. Zwei Jahre war er nicht mehr in seiner Heimat.

In Manila fällt Gino Carlo Garcia nicht auf. Sein tiefschwarzes Haar hat er sich mit einer Haarklemme nach hinten gesteckt, seine weißen Zähne blitzen bei jedem Lächeln. An der University of the Philippines Diliman sieht er aus wie jeder andere Student. Und doch ist für den 33-Jährigen Vieles anders. Er sitzt auf einer Bank und blickt auf den Park, in dem Studenten auf dem Rasen liegen. An diesem Novembertag steht die Luft in Quezon City. Es ist schwül, die Luft feucht. Es ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass Gino Garcia seine Heimat wiedersieht. „Komisch, wieder hier zu sein“, sagt er in akzentfreiem Deutsch.

Die vergangenen 24 Monate hat er in Eberswalde (Barnim) verbracht – einer anderen Welt, wie er sagt. Dort studiert er an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) „Global Change Management“ und steht kurz vor seinem Abschluss. In Manila ist er nur vorübergehend, um Daten für seine Masterarbeit zu sammeln. „Die letzten zwei Monate gingen viel zu schnell herum. Ich habe es nicht geschafft, alle zu sehen, die ich gerne sehen wollte“, sagt Gino Garcia.

Während seines Studiums in Deutschland hat er viel erlebt, viel Neues. Schnee zum Beispiel. „Es ist unheimlich, wie mich dieses Bild geprägt hat.“ Auch einen kleinen Kulturschock habe er nach seiner Ankunft in Deutschland erlebt. Plötzlich begegneten ihm fast nur noch weiße Gesichter, es gab viel Regen, Kälte und wenig Reis. Doch die Wärme kam schnell zurück, in Form eines herzlichen Willkommensgrußes. „Ich hatte es nicht erwartet, aber es war sehr einfach für mich, Freunde und ein WG-Zimmer zu finden“, erzählt der Student. Ein Patenprogramm an der Hochschule half ihm, die bürokratischen Hürden des Alltags zu überwinden.

Nachdem Gino Garcia 2011 bei den Aufräumarbeiten nach Taifun Washi geholfen hatte, bei dem in seiner Heimatstadt Iligan City mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen waren, lernte er Kay Kristine Alave kennen. Sie war die erste philippinische Studentin an der HNE. „Kay erzählte mir von dem Studiengang. Es ließ mich nicht mehr los“, erinnert er sich. Gerade nach den Auswirkungen des Taifuns beeindruckte ihn die Idee, an einer Hochschule zu lernen, die ihren Schwerpunkt auf Umwelt und Nachhaltigkeit gesetzt hat. Ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung ermöglichte ihm diesen Traum.

40 Prozent der Studierenden an der HNE kommen aus anderen Ländern, 60 Prozent aus Deutschland. „Eine gute Mischung“, sagt Gino Garcia. Eines verbinde sie alle – das Interesse an Nachhaltigkeit und Umwelt. Mit einem Videoformat auf YouTube, in dem Experten in der Berliner Ringbahn zu aktuellen Umweltthemen befragt werden, versuchen Gino Garcia und seine Mitstudierenden mehr Aufmerksamkeit für einen nachhaltigen Wandel zu schaffen.

Bei Umweltthemen muss er auch an das größte Problem Manilas denken: den Verkehr. Ein Bild wiederholt sich dort täglich auf den Straßen. Stoßstange an Stoßstange kriechen Autos, Busse, Motorroller, Lkw und andere Fahrzeuge im Schneckentempo über die Hauptverkehrsachsen, gehüllt in eine dicke Abgaswolke.

In seiner Abschlussarbeit wird sich der Masterstudent deshalb mit einer Umweltsteuer für die Philippinen beschäftigen. Ob das umsetzbar ist, weiß Gino Garcia noch nicht. „Letztendlich hängt Vieles von der Politik ab“, sagt er. Wenn er etwas aus Deutschland auf die Philippinen mitnehmen dürfte, wären es „auf jeden Fall der öffentliche Personennahverkehr und die Kultur des Fahrradfahrens. Was nach seinem Abschluss kommt, weiß er noch nicht. Das Visum, mit dem er dann noch 18 Monate in Deutschland bleiben darf, will er in Anspruch nehmen. Sicher ist: Das Umweltthema wird ihn weiter beschäftigen.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Journalistenaustauschprogramms „Nahaufnahme“ des Goethe-Instituts. Weitere Informationen: goethe.de/nahaufnahme und #goethecloseup

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