Duterte löst Probleme der Philippinen nicht

poor filipinos

Manila, Philippinen – Für Bernardo Mondragon, Projektleiter und Gründer der philippinischen NGO Child Alert, löst die Politik von Präsident Rodrigo Duterte keine Probleme, sondern behandelt lediglich die Symptome. „Er verfolgt Kriminelle und macht dabei aber auch vor Kindern nicht halt“, sagte Mondragon im APA-Interview am Dienstag in Wien.

„Durch Dutertes Ansatz, Probleme mit Gewalt zu lösen, erwarten alle schnelle Lösungen, ohne die Hintergründe zu erforschen“, so der Kinderschutzaktivist. „Wenn ein Kind Drogen nimmt, wird nicht nach dem Grund gefragt“, fuhr er fort. Der Grund sei meist die Armut.

„Auch für Diebstahl, Kinderarbeit und Kinderprostitution ist Armut die Ursache“, erklärte Mondragon. Dutertes Maßnahmen seien zwar „schnell“ und „beeindrucken viele“, der Aktivist forderte aber eine Politik, die „die Ursachen der Probleme“ angehe.

Die Spenden der Dreikönigsaktion des Hilfswerks der Katholischen Jungschar, die von den Sternsingern gesammelt werden, sollen 2019 unter anderem Child Alert zugutekommen. „Wir wünschen uns Gemeinschaften, die sich wirklich um die Kinder kümmern und sie schützen. (…) Ich glaube, dass der Schutz der Kinder nicht nur in der Verantwortung der Eltern, sondern der Allgemeinheit liegt“, unterstrich Mondragon, der sich seit 2005 auf der zweitgrößten philippinischen Insel Mindanao für Kinder engagiert.

Während die Kinder in den ländlichen Regionen der Insel in steter Angst vor den Militäroperationen zwischen Regierungskräften und Rebellen leben müssten, kommen laut Mondragon Kinder in den Städten in Konflikt mit dem Gesetz. Zudem müssten sie schwere Arbeiten verrichten, die eigentlich von Erwachsenen getan werden sollten. Andere Kinder fielen der Prostitution zum Opfer, berichtete er.

Das im Rahmen der Dreikönigsaktion unterstützte Projekt von Child Alert beziehe sich auf fünf Bezirke der Inselhauptstadt Davao. „Das sind sehr überfüllte und verkehrsreiche Regionen“, so Mondragon. „Fünf- bis achtköpfige Familien leben zusammen in einem kleinen einzelnen Raum, der als Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer herhalten muss“, berichtete er. Dadurch sei die Atmosphäre im Haus sehr angespannt – besonders, wenn die Eltern Probleme hätten, ihre Kinder zu ernähren.

„Wenn die Kinder kleine Fehler machen, werden sie geschlagen“, so der Aktivist. Kinder würden auch Zeugen von Streitereien und häuslicher Gewalt zwischen den Eltern. „Das treibt die Kinder auf die Straße, wo sie mehr Zeit verbringen als daheim“, fuhr er fort.

„Wir versuchen, Kinder, die sich in der schlimmsten Verfassung befinden, zu erreichen und laden sie ein, unsere Sitzungen zu besuchen, in denen wir ihnen allgemeine, fürs Leben wichtige Fähigkeiten vermitteln“, erklärte der NGO-Gründer. Diese Sitzungen fänden jeden Monat in allen fünf Bezirken statt. „Dort erklären wir den Kindern ihre Rechte und wie diese unter den gegenwärtigen Umständen verletzt werden“, berichtete Mondragon weiter.

„Das wird ihnen sonst nirgends beigebracht“, bemerkte er. Auch Eltern besuchten die NGO, um den richtigen Umgang mit Kindern zu erlernen. „Es geht also generell um das gesellschaftliche Zusammenleben“, sagte der Projektleiter.

Mondragon berichtete, dass Child Alert den Kindern zeige, wie sie sich vor Missbrauch schützen könnten. „Mit anderen Aktivitäten fördern wir Selbsterfahrung und Teambuilding“, fuhr er fort. Viele Kinder bekämen dadurch wieder ein Selbstwertgefühl und könnten ihre Rechte auch einfordern.

Weil die NGO ihr Programm nicht für die ganze Stadt anbieten könne, setze sie darauf, dass Kinder anderen Kindern das Gelernte vermitteln. „Diese Kinder helfen auch durch Theatervorführungen auf öffentlichen Plätzen, auf die Situation der Kinder aufmerksam zu machen. Das funktioniert sehr gut, denn die Leute schauen sich das gern an“, führte er aus.

Problematisch sei, dass Kinderschutz zwar durch das Gesetz vorgeschrieben sei, aber hierfür vom Staat kaum Geld zur Verfügung stehe. Daher sei die NGO bisher besonders auf das Wohlwollen von Regionalpolitikern angewiesen, die die Rechte von Kindern als Priorität ansehen, erklärte Mondragon.

Quelle

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