Klimawandel bedroht Kleinbauern auf den Philippinen

Bauer Mindanao

Manila, Philippinen – Wegen des Klimawandels ist die Existenz vieler Kleinbauern auf der philippinischen Insel Mindanao bedroht. „Vor zwanzig Jahren gab es noch keine Taifune auf Mindanao, jetzt treffen sie auch uns“, erklärte Geonathan Barro, Direktor der philippinischen NGO Agro-Eco, am Dienstag im APA-Interview in Wien.

Der daraus resultierende Produktionsausfall betreffe vor allem Kleinbauern, von denen die meisten ohnehin arm seien und weniger als einen Hektar Land besäßen. „Wir wollen den Hunger in den armen bäuerlichen Gemeinden bekämpfen“, erklärte Barro das Ziel von Agro-Eco. Die Dreikönigsaktion 2019 des Hilfswerks der Katholischen Jungschar, bei dem Kinder als Sternsinger Spenden sammeln, soll unter anderem der philippinischen NGO zugutekommen.

„Auf den Philippinen leiden rund 13 Prozent der Bevölkerung Hunger, in Mindanao ist diese Zahl noch höher“, berichtete der Direktor. Dies sei „ironisch“, denn auf der zweitgrößten Insel des Staates würden „60 Prozent der Nahrung der Philippinen“ erzeugt.

Minadao sei zwar fruchtbar, doch würde dort nicht für die Menschen vor Ort produziert: Auf der „Hälfte der gesamten landwirtschaftlichen Fläche“ in Mindanao sollen stattdessen „Bananen, Palmöl und Ananas“ für den internationalen Markt angebaut werden. „Diese zwei Millionen Hektar Land stehen den Bauern nicht zur Verfügung, da sie von großen Konzernen, zumeist aus den USA und Japan, genutzt werden“, erläuterte Barro. Darum sei der Hunger auf dieser Insel verhältnismäßig größer als in anderen Teilen des Landes.

Der Klimawandel gefährde zusätzlich die Ernten. Obwohl Barro in Bezug auf den internationalen Klimawandel „nicht sehr hoffnungsvoll“ ist, ist er dennoch auf lokaler Ebene optimistisch: „Hier können wir den Bauern helfen, die Folgen des Klimawandels besser zu stemmen, indem wir widerstandsfähigere Pflanzen, besonders Hackfrucht, entwickelt haben. Diese können Dürre, Trockenheit und sogar Taifune überstehen“, führte er aus.

Ziel der NGO ist es, Kleinbauern mit organischer bzw. Bio-Landwirtschaft zu stärken. „Für uns ist das nicht nur eine Technologie, sondern auch eine Möglichkeit, die Landwirtschaft zu verändern“, so der Direktor. Agro-Eco bilde die Kleinbauern aus und organisiere sie in kleinen Gruppen. „Wir haben 302 Organisationen geschaffen und zeigen ihnen, wie man Samen züchtet, die dann auch an andere Bauern weitergegeben werden“, erklärte er.

Die Landwirte würden auch im Vertrieb der eigenen Produkte ausgebildet, damit sie „die Früchte ihrer Arbeit ernten können“. „Auf den Philippinen profitieren sonst vor allem die Mittelsmänner und Verkäufer finanziell von den Lebensmitteln“, berichtete Barro. „Wir versuchen also ein Modell zu entwickeln, mit dem die Bauern ihre Erzeugnisse selbst verkaufen und den Preis unter Berücksichtigung der Produktionskosten festlegen können“, fuhr er fort. Andernfalls seien die Bauern den großen Konzernen ausgeliefert, die mit für ihre Armut verantwortlich seien. „Wir wollen echte biologische Landwirtschaft vorantreiben“, unterstrich er.

Zwar gibt es laut Barro seit 2010 ein nationales Gesetz, das Bio-Landwirtschaft fördern soll, aber es sei „sehr schade“, dass dies lediglich „fünf Prozent unserer gesamten Landwirtschaft“ betreffe. „Das Budget hilft in Wirklichkeit nicht den Bauern, denn die Regierung führt internationale Trainings und Seminare in irgendwelchen Hotels und Universitäten durch“, beklagte Barro. Das Wissen werde nicht mit den Menschen geteilt, die es wirklich brauchten: „Die Leute profitieren davon nicht, es gibt eine Kluft zwischen dem Gesetz und der Wirklichkeit“, kritisierte der Direktor.

„Wegen der Armut wollen die Kinder der Bauern auch nicht den Beruf der Eltern übernehmen, sondern gehen in die Stadt, wo sie dann ausgebeutet und sogar in die Prostitution gedrängt werden“, berichtete der Aktivist weiter. Viele Kinder brächen darum auch die Schule ab. „Wenn wir diese Armut nicht in den Griff kriegen, und danach sieht es im Moment aus, wird diese Landflucht nicht enden“, mahnte Barro.

Quelle

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Auswandern auf die Philippinen – Tablas Sunshine Village