Maria Ressa – Die philippinische Journalistin wird zur Gegenspielerin des Autokraten Duterte

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Manila, Philippinen – Was haben ihre Gegner nicht schon an Hass und Häme über dieser Frau ausgegossen. Hure, Hündin, Schlange wurde sie genannt. Und irgendwann schrieb einer sogar: „Ich möchte, dass Maria Ressa zu Tode vergewaltigt wird.“

Es scheint keine Grenzen zu geben für die Scheußlichkeiten, mit denen die investigative Journalistin Maria Ressa in sozialen Medien aus der Anonymität heraus beleidigt und bedroht wird. Aber sie duckt sich nicht weg. Sie macht weiter ihre Arbeit und möchte keinesfalls erleben, dass die Hintermänner der Attacken am Ende triumphieren. Mit ihrer Entschlossenheit lehrt sie sogar den autokratischen Präsidenten Rodrigo Duterte das Fürchten.

Maria Ressa ist Mitbegründerin und Chefin der News-Seite Rappler auf den Philippinen. Sie deckt mit ihrem Team „fabrizierte Wahrheiten“ auf. Sie zeigt, wie soziale Medien für Propaganda gekapert werden und spürt dem Gift hinterher, das über digitale Kanäle, vor allem Facebook, verbreitet wird. Das alles sind eher düstere Themen, dennoch wirkt Ressa bei Begegnungen keineswegs resigniert. Sie versprüht eine Energie, die andere Menschen begeistern kann.

Die 55-Jährige berichtet über Missstände und Menschenrechtsverletzungen, vom sogenannten Anti-Drogen-Krieg, den Präsident Duterte angezettelt hat, bis hin zu den aggressiven Troll-Armeen, die kritischen Stimmen in sozialen Netzwerken nachjagen. Ressa ist eine tapfere Verfechterin der Demokratie. Duterte versucht schon seit längerer Zeit, der Plattform Rappler den Boden zu entziehen. Allerdings ließ er diese Woche ausdrücklich versichern, er habe mit dem jüngsten Gerichtsverfahren nichts zu tun, das Maria Ressa nun das Leben schwer macht. Sehr glaubwürdig wirkte das Dementi nicht.

Gegen die Chefin der News-Seite ist ein Verfahren wegen angeblicher Steuerhinterziehung angestoßen worden; sie musste Kaution hinterlegen, um der Untersuchungshaft zu entgehen. Wird sie schuldig gesprochen, drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft. Internationale Journalistenverbände fordern, die Vorwürfe umgehend fallen zu lassen. Allem Anschein nach handelt es sich um ein politisches Manöver mit dem Ziel, Maria Ressa und mit ihr die ganze kritische Presse zum Schweigen zu bringen.

Maria Ressas Karriere als Journalistin war nicht vorgezeichnet. Ihre Eltern hatten das Land zu Zeiten der Marcos-Diktatur verlassen, damals war Maria zehn Jahre alt. Die Familie zog in die USA, die Tochter studierte in Princeton Molekularbiologie und Theater. Sie kehrte erst in ihre asiatische Heimat zurück, als dort das Volk gegen den philippinischen Diktator aufbegehrte. Ressa war fasziniert von der Bewegung namens „People Power“. Die Macht des Volkes stürzte im Jahr 1986 Ferdinand Marcos und öffnete dem Land den Weg in eine freiere Zukunft. Von dieser Freiheit hält Duterte nicht viel.

Maria Ressa brauchte einige Zeit, um ihren Weg zu finden, schließlich entschloss sie sich, eine Produktionsfirma zu gründen. Sie machte Erfahrungen als Reporterin und wurde schließlich von CNN angeheuert, wo sie im Laufe der nächsten zwanzig Jahre Karriere machte. Ressa stieg auf zur Bürochefin in Manila und später in Jakarta, machte sich einen Namen als Anti-Terror-Expertin und spürte so furchtlos den Netzwerken der Al-Qaida- Extremisten hinterher, wie sie später nach den Troll-Armeen in den sozialen Medien fahnden sollte.

Die 55-Jährige hält manchmal Vorträge über die Auswüchse der digitalen Welt, sie tut das mit chirurgisch anmutender Präzision. Als Journalistin kann sie die Missstände in den sozialen Medien zwar aufdecken, aber nicht beheben – schon gar nicht, wenn Trolle von höchster Ebene ins Feld geschickt werden und weitgehend freie Bahn haben. Einschüchtern will sie sich aber nicht lassen. „Dies ist nicht die Zeit, Angst zu haben“, sagte Maria Ressa, nachdem sie ihre Kaution hinterlegt hatte.

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