Gießener im philippinischen Urwald bei den Ateas

Seit Jahren unterstützt der in Gießen gegründete Verein Lotus Hilfsprogramme e. V. die Ureinwohner der Philippinen. Ralf Naujoks war kürzlich vor Ort und suchte die gespendeten Wasserbüffel.

Ralf Naujoks bei den Aetas

Guy Hilberto – internationaler Experte bezüglich der Aetas – begleitete Ralf Naujoks an eine Wasserstelle im Urwald des Vulkans Pinatubo. Sie liegt einen Kilometer tief im steilen Tal. Foto: Lotus

Der Verein Lotus Hilfsprogramme e.V. wurde im Sommer 2006 in Gießen durch die private Initiative von Heinrich Treutner gegründet. Die Vereinsziele sind die Förderung sozialer, medizinischer und pädagogischer Projekte, wobei der Arbeitsschwerpunkt auf den Philippinen liegt. Aus der Vorliebe für private Reisen nach Asien blieb den Gründern auch die Armut in den Reiseländern nicht verborgen. Bei Kontakten zu Irene Valenton, der Vertreterin der gemeinnützigen christlichen Hilfsorganisation Lotus Foundation Inc., wurde deutlich, wie nötig auch dort humanitäre Hilfe ist. Daraus entstand dann die Idee, einen Verein in Deutschland zu gründen, um besser und gezielt helfen zu können. Die direkte persönliche Verbindung vor Ort gibt die Gewissheit, dass die finanziellen Hilfen ohne große Verwaltungs- oder sonstige Kosten bestimmt dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

Als direktes und kurzfristig erreichbares Ziel des Vereins wurde für ein Projekt entschieden, das Familien auf den Philippinen die Anschaffung von Wasserbüffeln (Carabows) ermöglicht, um so ihre Existenz zu sichern – als Hilfe zur Selbsthilfe. Sie können so ihre Felder mit eigenen Arbeitstieren bearbeiten, um ihr Einkommen aus eigener Kraft zu erwerben. Bereits im September 2004 hatte Treutner auf die dramatische Notlage eines Völkerstammes, den Ureinwohnern (Aetas) auf den Philippinen hingewiesen, die durch den Ausbruch des Vulkans Pinatubo im Jahre 1991 ihrer Heimat beraubt und von der philippinischen Regierung in ein unwegsames Gelände der der Berge auf Luzon, der größten Insel der Philippinen, verbracht wurden. Das kleinwüchsige Stammvolk lebte vor Ort in einer unvorstellbaren Armut. Auf Anfrage teilte der Chieftain des Volksstammes Treutner mit, dass ein Wasserbüffel helfen könnte, den fruchtbaren, aber sehr harten Boden erfolgreich zu bewirtschaften.

Dank mehrerer Spendenaufrufe von Treutner in den örtlichen Medien konnte in den folgenden Jahren an 59 Familien ein solches Tier übergeben werden. Fortan konnten die Familien durch Reis, Mais und andere Früchte ihrer Armut entfliehen. Wasserbüffel sind für die Aetas so wichtig wie Traktoren für unsere Landwirtschaft. Erst dann war es diesen körperlich kleinen Dschungelbewohnern wieder möglich, ihre Reisfelder zu bestellen, um die Ernährung zu sichern. Auf ihren regelmäßigen Besuchen vor Ort fiel aber den Vorstandsmitgliedern von Lotus auf, dass immer weniger der gespendeten Wasserbüffel zu sehen waren. Lange bestand der Verdacht, die Aetas hätten einige Tiere geschlachtet oder weiterverkauft. Was dann im Jahre 2012 zur Beendigung des Wasserbüffel-Projekts führte.

Bei seinem jüngsten Besuch ist Ralf Naujoks, Vorstandsmitglied von Lotus dem Verbleib der Wasserbüffel nachgegangen. „Wir sind unseren Spendern Aufklärung schuldig“, betonte Naujoks. Dazu hat er kürzlich auch Aetas im Urwald besucht. Seine Nachforschungen haben ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit, die Aetas hätten einige Tiere gegessen oder verkauft, sehr gering ist. Vermutet wird vielmehr, dass die fehlenden Tiere gestohlen oder den Aetas abgepresst wurden. Einige Tiere wurden von den Besitzern nachweislich zur Sicherheit tiefer in den Urwald verbracht.

Bei seinen Nachforschungen wurde Naujoks von international anerkannten Fachleuten, die engste Beziehungen zu den Aetas haben, unterstützt und begleitet. Für die Aetas, die als indigenes Volk in völligem Einklang mit der Natur leben, wird die Überlebenssituation immer schwieriger, da Minengesellschaften den Urwald, also den Lebensraum der Aetas, zunehmend abholzen, zerstören und mit dem Abbau von Bodenschätzen beginnen. Zwar wurde den Aetas hier ein Gebiet von etwa 30000 Hektar als Schutzgebiet zugesprochen, jedoch halten sich internationale Investoren nicht daran und stehlen den Aetas einfach ihr Land. Erst die Regierung Duterte steuert hier entgegen und versucht, das Land der philippinischen Ureinwohner zu sichern. Trotzdem ist die Not inzwischen groß und viele Aetas sitzen mit ihren Kindern auf den Straßen von Städten wie Angeles, mit einem der größten Rotlichtviertel der Welt. Sie hungern und betteln. Die Frauen werden vergewaltigt, die Kinder mißbraucht. Es werden inzwischen erste Gespräche mit einer großen irischen Hilfsorganisation um Pater Shay Cullem, der für den Friedensnobelpreis nominiert ist, mit der von der UN unterstützten Olaf-Palme-Stiftung und der Lotus Hilfsprogramme e.V. aus Gießen geführt. Es geht darum, die Hilfe für die Aetas besser abgestimmt und konzentriert zu organisieren.

„Wir bitten daher um Unterstützung aus der Bevölkerung aus und um Gießen, den Aetas bei ihrem Kampf ums Überleben zu helfen. Insbesondere geht es darum, den schulischen Zugang zum Unterricht zu verbessern, denn viele Aetas sind Analphabeten, die Ernährung zu sichern und die Vertreibung aus dem Urwald zu stoppen. Es sind die Probleme aller indigenen Völker der Welt wie den Indianern Nordamerikas, den Indios Südamerikas, den Aborigines Australiens oder den Aetas der Philippinen. Sie achten und schützen die Natur und ihren Lebensraum. Sie sind aber schutzlos der Habgier und Rücksichtslosigkeit der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung ausgeliefert!“ so Naujoks.

„Den Aetas wurde durch unsere Wasserbüffel-Hilfe in der damaligen existenzbedrohenden Zeit für mehrere Jahre ein wirtschaftlich erfolgreicher Neuanfang geschenkt, der verhinderte, dass Familien durch totale Ausweglosigkeit in den Suizid gingen“, so Ralf Naujoks.

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