Arbeiten als digitaler Nomade im Urlaubsparadies

Reinhard Heimhuber, Technologie-Chef bei Vuframe aus Regensburg, arbeitet als „digitaler Nomade“ derzeit auf den Philippinen.

Reinhard Heimhuber

Manila, Philippinen – Ortsunabhängig arbeiten, und zwar am besten dort, wo andere Urlaub machen – für viele Menschen ist das ein Traum. Reinhard Heimhuber hat ihn sich erfüllt.

Seit zwei Jahren arbeitet er als digitaler Nomade, derzeit auf den Philippinen. Ungewöhnlich dabei ist, dass Heimhuber dies im Rahmen einer Festanstellung und sogar in leitender Position tut. Er ist Chief Technology Officer (CTO) bei der Regensburger Vuframe GmbH. Das Start-up erobert mit einer Softwarelösung für neue Möglichkeiten der Produktvisualisierung den Weltmarkt.

Da er sich nicht auf ein Land oder einen Ort festlegen wollte, sei dies die einzige Möglichkeit gewesen. Nachdem ihm sein Arbeitgeber grünes Licht gegeben hatte, verging noch ein Jahr mit den Vorbereitungen. Im August 2017 brach Heimhuber dann nach Asien auf. Seine erste Station war Thailand, dann reiste er weiter nach Vietnam und schließlich auf die Philippinen. Er hat sich inzwischen gut im „digitalen Nomadentum“ eingerichtet. Sein Alltag hängt davon ab, ob er auf Reisen ist oder länger an einem Ort verweilt. „Wenn ich reise, beginnt mein Tag schon zwischen vier und fünf Uhr morgens. Ich arbeite dann rund sechs Stunden von meiner Unterkunft aus. So bleibt mir genügend Zeit für Freizeitaktivitäten.“ Am Abend arbeite er noch mal einige Stunden. „Ob Bus, Schiff, Parkbank oder Kaffee ist egal – wichtig ist nur gutes Internet.“ Immer wieder unterbricht er das Unterwegssein durch längere „sesshafte“ Phasen. „Der Unterschied zu Regensburg ist dann nur Roller statt Auto, Palmen statt Laubbäume, Coworking statt Büro, Badminton statt Fußball und Reis statt Leberkäse.“

Flexibilität erfordert Disziplin

Nicht nur Heimhuber ist mit der Situation zufrieden, auch Vuframe-Geschäftsführer Andreas Zeitler ist es. Er räumt aber auch ein, dass es ihm nicht ganz leicht gefallen sei, seinen CTO in die Ferne ziehen zu lassen. „Remote-Arbeit“, also ortsungebundenes und flexibles Arbeiten, erfordere von allen Beteiligten viel Disziplin und Struktur – zusätzlich zum Tagesgeschäft und Alltagsstress, sagt Zeitler. „Da sich Reinhard im Team bereits zwei Jahre lang als sehr zuverlässig und selbstständig bewährt hatte und er auch sehr gut im Team integriert war, haben wir uns darauf verständigt, einen Versuch zu starten.“ Anfänglich habe vor allem der Zeitunterschied Probleme bereitet. Das Team in Deutschland habe den Zeitunterschied im Alltagsstress oft einfach vergessen und erwartet, dass der CTO am Rechner sitzt. „Wir fanden dann aber eine überraschend einfache Lösung, indem wir uns im Firmenchat ein digitales ‚Guten Morgen‘, ‚Mahlzeit‘ und ‚Schönen Feierabend‘ wünschen. Das ruft jedem Teammitglied täglich den Zeitunterschied ins Bewusstsein“, so Zeitler.

Seit diese Anfangshürde überwunden ist, funktioniert die Zusammenarbeit reibungslos. „Der Rest gehört für unser Team, das nur aus Digital Natives besteht, schon seit Jahrzehnten zum Alltag: Skype, Slack, Screenshare, Dropbox, Whatsapp und viele weitere Digital-Tools, mit denen wir auch im Büro miteinander arbeiten“, meint der Geschäftsführer. Den Vorteil dieser Arbeitsform sieht er vor allem darin, Teammitgliedern die Möglichkeit zu geben, sich zu verwirklichen, ohne dabei gleich ein Sabbatjahr oder eine berufliche Auszeit nehmen zu müssen. „Dadurch ist jedem geholfen. Wir können ein wichtiges Teammitglied halten und Reinhard kann sein persönliches Ziel erreichen. Jeder gewinnt.“ Zeitler betrachtet diese Arbeitsform in Zeiten der Digitalisierung auch nicht als Ausnahme.

Zeitlich unbegrenzt reisen

Heimhuber ist seinem Team für diese Möglichkeit dankbar. Er genießt es vor allem, auf einer zeitlich unbegrenzten Reise unterwegs sein zu können, da er ganz „normal“ seinen Job ausübt. Normalität geben ihm auch Coworking-Spaces, in denen er einen großen Teil seiner Arbeitszeit verbringt. „Ich vermisse natürlich Kollegen. Deshalb suche ich den Austausch mit Gleichgesinnten.“ Eines hat ihn überrascht: die große Vielfalt unter den Digitalnomaden. „Es finden sich darunter Softwareentwickler, Designer, Onlinelehrer, Dropshipper, Dolmetscher, Copywriter, Fotografen, Daytrader, Blogger, Autoren, Musiker und viele mehr. Was alle verbindet, ist die Ortsunabhängigkeit“, sagt Heimhuber.

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Auswandern auf die Philippinen – Tablas Sunshine Village