June will nach Hause telefonieren

Containerterminal Bremerhaven

Manila, Philippinen – June Astavaris ist Mitte 30, sieht aber eher aus wie Mitte 50. Er kommt von den Philippinen und ist schon seit sieben Monaten auf einem Containerfrachter unterwegs.

Gerade jetzt zu Weihnachten schmerzt die Trennung von seiner Familie besonders. Das Schiff kann er nur selten verlassen. Die Liegezeiten im Hafen werden immer kürzer, die Sicherheitsbestimmungen strenger. Haupt- und Ehrenamtliche der Deutschen Seemannsmission versuchen deshalb mit Geschenken und Bordbesuchen Männern wie June das Gefühl zu vermitteln: Ihr seid nicht alleine, wir denken an euch.

Das ist eine willkommene Abwechslung im anstrengenden und oft eintönigen Arbeitsalltag der Schiffsbesatzungen. Der Schichtbetrieb und die ständige Zeitumstellung bei Fahrten rund um den Globus machten Männern wie June Astavaris schwer zu schaffen, verdeutlicht Clara Schlaich, Präsidentin der Deutschen Seemannsmission. Als Arbeitsmedizinerin, die lange den Hafenärztlichen Dienst in Hamburg geleitet hat, kennt sie die gesundheitliche Situation der Seeleute. „Oft fühlt sich June nur noch wie ein bewegliches Maschinenteil auf dem Schiff“, berichtet sie.

Dabei sind es die Seeleute, die dafür sorgen, dass andere ihre Geschenke bekommen, die lange vor dem Fest auf den Weltmeeren unterwegs sind. „Von wegen Schlitten – die meisten Geschenke kommen per Schiff“, bringt es Präsidentin Schlaich auf den Punkt.

Seine Kinder sieht June über Skype nur manchmal, wenn er in einem Hafen Internet hat. An Weihnachten ist es besonders schlimm. „Natürlich feiert man ein bisschen an Bord“, erzählt June. „Es gibt ein besonderes Essen und man schaut sich vielleicht gemeinsam einen Film an, um sich etwas abzulenken.“ Doch für Schlaich ist klar: „Viele denken nur sehnsüchtig an ihre Familie.“

In den spendenfinanzierten Päckchen der Seemannsmission sind Telefonkarten, damit die Seeleute kostenlos nach Hause telefonieren können. Zu der Organisation mit ihrer Zentrale in Bremen gehören 16 Inlands- und 16 Auslandsstationen – und überall wird in diesen Tagen zusammen mit Seeleuten aus aller Welt Weihnachten gefeiert.

Quelle

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