Weihnachten auf den Philippinen – Schrille statt stille Nacht

In San Fernando wird Weihnachten mit riesigen Leuchtsternen gefeiert. Sie sollen Zuversicht auf die Philippinen bringen, die einen brutalen Anti-Drogen-Krieg durchleben.

Weihnachtssterne in San Fernando

Weihnachtssterne in San Fernando. Quelle: ZDF

Manila, Philippinen – An Weihnachten schmückt Arnel Flores nicht mit Lametta. Er geht in seine Werkstatt und zündet den Schweißbrenner an. Weihnachten soll strahlen, findet Flores.

Und damit es das tut, braucht er 27 Kilometer Kabel und 10.000 Glühbirnen. Erst dann wird es ein richtiger parol, ein Weihnachtsstern, wie es ihn nur in San Fernando Pampanga, nördlich der philippinischen Hauptstadt Manila gibt. „Es macht mich glücklich, die parols zu machen“, sagt Flores, „ohne sie wäre Weihnachten sehr traurig.“

Riesenlaternen symbolisieren den Stern von Bethlehem

Schon im September hat Flores mit vierzehn anderen angefangen mit dem Bau. Die Riesenlaternen sind sein Beruf geworden. Oder besser seine Berufung. Und kaum etwas macht ihn stolzer als der Abend kurz vor Weihnachten, wenn die schönsten parols gekürt werden. Wenn Tausende kommen, um seine Arbeit und die der anderen zu bestaunen. „Die Laternen symbolisieren für uns den Stern von Bethlehem, der die Hirten bei Christi Geburt leitete“, sagt Aileen Isip, eine der Besucherinnen.

Auf den Philippinen leben die meisten Christen in Fernost, ein Erbe der spanischen Kolonialzeit. Aber Weihnachten hier ist keine stille, sondern eine schrille Nacht. „Wir glauben, dass es ein Weg ist, alles Negative loszuwerden“, sagt Jaime Bautista. „Deshalb feiern wir so laut wie möglich.“

Nur wenige üben Kritik an Duterte

Die Philippinen haben da viel loszuwerden. Mehr als 5.000 angebliche Dealer und Abhängige sind allein nach offiziellen Angaben seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte getötet worden. Human Rights Watch geht von mindestens 12.000 Opfern aus. Im Februar hat der Internationale Strafgerichtshof Vorermittlungen gegen die Philippinen wegen des Verdachts der illegalen Tötungen aufgenommen. Das Land zog sich daraufhin prompt vom Internationalen Strafgerichtshof zurück.

Nur wenige trauen sich noch – wie die Kirchen – Duterte zu kritisieren für eine Kultur von Gewalt und Tod. „Ich verstehe, dass unser Präsident eine drogenfreie Gesellschaft will“, sagt Aljim Tuazon, Pfarrer in San Fernando Pampanga. „Das wollen wir als Kirche auch. Aber es muss andere Wege geben als das Töten.“ Die Kirche in San Fernando setzt auf Rehazentren für Drogenabhängige.

Die Ärmsten leben in Angst und Furcht

Duterte aber bleibt bei seiner harten und unnachsichtigen Linie. Zwar gibt es vereinzelt Festnahmen und Verfahren gegen Polizisten, denen illegale Tötungen, das Fälschen von Indizien und Beweisen vorgeworfen wird. Aber als die Anti-Drogen-Behörde kürzlich die aktuelle Opferzahl im Anti-Drogen-Krieg verkündete, schien es, als seien die offiziell gut 5.000 Toten eine Erfolgsmeldung. Viele im Lande sehen das auch so, unterstützen Dutertes Politik. Gerade die Ärmsten aber, die am häufigsten Opfer der Todesschwadrone werden, leben in Angst und ständiger Furcht.

Vielleicht sind eben auch deshalb Weihnachten und der Wettbewerb der Riesensterne ein so lautes Fest. Und ganz besonders laut wird es, als der Sieger verkündet, als der Stern von Arnel Flores gewinnt. „Die Sterne haben mir ein besseres Leben gegeben“, sagt Flores, der in bitterer Armut aufgewachsen und nun ein erfolgreicher Geschäftsmann ist. „Ich bin stolz, die Tradition weiter zu führen.“

Ihm haben die Sterne geholfen. Und bei den Besuchern, die sie bewundern, deren Augen sie zum Leuchten bringen, scheint es, all hofften sie auch darauf, dass die Riesensterne von San Fernando ihnen Frieden und Glück bringen.

Quelle

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